Camping Anfänger – Strom im Wohnmobil

Auf geht’s in die nächste Runde in unserer Camping Anfänger Serie!
Heute knöpfen wir uns mal den Strom im Wohnmobil vor. Ein sehr wichtiges und leider auch manchmal schwer verständliches Thema beim Camping, vor allem wenn man von Elektronik nicht so wirklich einen Plan hat.

⚠️ Etwas Wichtiges vorweg, auch wenn es jedem klar sein sollte:

Bitte denkt immer daran – elektrischer Strom ist lebensgefährlich und kann zum Brand führen!!! Überlasst die Arbeit an den spannungsführenden Bauteilen bitte nur Fachleuten. ⚠️

So, nun aber los! Wie funktioniert das denn nu mit dem Strom im Wohnmobil?

Strom im Wohnmobil – Das Boardnetz

Wer sich im Wohnmobil umschaut stellt schnell fest, dass es zwei Arten von Steckdosen gibt. Zum einen die “normalen” für 230 V Geräte, die kennt man ja von zu Hause. Zum Anderen gibt es noch 12 V Steckdosen, die aussehen wie die vom Zigarettenanzünder im Auto.

Ist das Wohnmobil nicht am Landstrom angeschlossen, sind die 230 V Steckdosen außer Betrieb und es gibt nur Strom über die 12 V Dosen. Ein Betrieb von normalen Haartrocknern oder Ladegeräten für z.B. das Laptop ist somit erstmal nicht möglich.

Schaltzentrale Boardnetz
Die Hauptschalter im Wohnmobil

Es gibt aber spezielle Geräte fürs Camping die auch mit 12 V funktionieren.
Das sind meistens.:

Vorweg kann ich aber schon sagen, dass diese Geräte nicht die Leistung haben wie man das von Zuhause gewöhnt ist. Nehmen wir mal das Beispiel an dem hier aufgeführten Fön von Amazon. Dieser hat eine Leistung von knapp 200 W. Ein Haarfön zu Hause hat aber gerne mal 1500 W oder noch mehr. Aber warum haben die 12 V Geräte nur so eine geringe Leistung?

Wir machen einen kleinen Exkurs in die Elektrotechnik…

Kurz erklärt in der Theorie:

Die elektrische Leistung P setzt sich aus der Spannung U und dem Strom I (P = U * I) zusammen. Habe ich z.B. einen Fön mit 1500 W Leistung, müsste bei einer Spannung von 12 V ein Strom von 125 A (I = P/U) fliessen. Um so einen großen Strom im Wohnmobil nutzen zu können bräuchte man einen sehr großen Kabelquerschnitt, damit die Kabel nicht anfangen zu brennen. Das ist nicht im Wohnmobil nicht möglich, weil es unhandlich, schwer und teuer ist.

Tipp zu den Geräten mit hoher Leistung: Es gibt super Alternativen zum Kaffee- oder Toastgenuss, wie z.B. der Aufsatz für Kaffeefilter und der Toaster über der Gasflamme. Aaaaber es gibt ja noch den Wechselrichter. Doch dazu später mehr…

Im Inneren des Wohnmobil befindet sich ein “Sicherungskasten”. Das Boardnetz für 230 V ist mit 16 A abgesichert, d.h. es ist eine maximale Leistungsaufnahme von ca. 3500 Watt möglich. Aber Achtung! Die Steckdosen vom Land sind auch extra abgesichert. Hier wird der Strom oft durch eine weitere Sicherung begrenzt. Übliche Werte sind 4 – 16 A, was einer Leistung von ca. 900 – 3500 W entspricht. Es kann also sein, dass euch bei einigen Campingplätzen schon bei einem Haarfön die Sicherung am Anschlusskasten rausfliegt.

Boardnetz Sicherungskasten 230 V
Sicherungskasten 230 V 🔌

Was genau macht ein Wechselrichter?

Möchte man auch unterwegs nicht auf 220 Volt verzichten, gibt es noch eine andere coole Erfindung, den Wechselrichter. Ein Wechselrichter wandelt die 12 V Gleichspannung der Aufbaubatterie in eine 230 V Wechselspannung um. Dadurch lassen sich auch haushaltsübliche Geräte in einem Camper nutzen. Durch die Nutzung entstehen aber erhebliche Verlustleistungen. Der Wirkungsgrad von modernen Wechselrichtern liegt aber bei erstaunlichen 98 %, heißt er spuckt zu 98 % “hinten” das aus was er sich “vorne” reinzieht 😉

Wechselrichter ist auch nicht gleich Wechselrichter. Oftmals erzeugen die günstigeren Geräte keine reinen Sinuswellen, was bei Netzteilen von Laptop, Handy und Co oft zu brummen oder piepen führen kann. Achtet also beim Kauf darauf, dass auch wirklich explizit eine reine Sinusspannung erzeugt wird.

Hier mal ein Vergleich von zwei Wechselrichtern. Einer mit einer modifizierten Sinuswelle, der andere mit einer reinen Sinuswelle. Wie alles im Leben, spiegelt sich das natürlich auch im Preis wieder.

Wechselrichter modifiziert und Wechselrichter reine Sinuswelle

Übrigens haben Wechselrichter die unbenutzt eingeschaltet bleiben auch einen geringen Ruhestromverbrauch. Also immer schön bei Nichtgebrauch abschalten.

Hat man einen Wechselrichter verbaut, kann man auch über den Einbau einer Netzvorrangschaltung nachdenken. Die Vorrangschaltung schaltet automatisch von Landstrom auf 230 V mit Wechselrichter um. Natürlich geht das auch andersrum. Dadurch sind immer bei eingeschalteter Boardspannung 230 V auf den Steckdosen. Egal ob mit Landstrom oder ohne.

Die Aufbaubatterie

Um die 12 V im Boardnetz nutzen zu können wird natürlich nicht die Starterbatterie aus dem Fahrzeug genutzt, sonst hätte man nach ein paar Stunden Stromnutzung ein Problem – die Batterie wäre platt und das Fahrzeug startet nicht mehr.

Deswegen gibt es im Wohnmobil noch eine zweite Batterie, die sogenannte Aufbaubatterie. Welche Batterien es für’s Camping so gibt, könnt ihr in dem Beitrag Wohnmobile Batterie nachlesen.

Die Nutzbarkeit der Batterien hängt von der Kapazität des Akku’s ab. Mal angenommen ich lade jeden Tag mein Laptop, das Handy, schaue 3 Std. TV und nutze für 5 Std. die Beleuchtung.

Ich rechne mal grob durch:

  • 3 Std. TV 150 W
  • Akkus von Handy und Laptop laden 80 W
  • Beleuchtung 50 W

Das macht in Summe ca. 280 W. Mit meiner 100 Ah Batterie stehen mir theoretisch 1200 Wh zur Verfügung. Wh / V = Ah -> 280 Wh / 12 V = 23,33 Ah. Wenn ich die AGM Batterie also nur zu 50 % entlade, sollte ich mit dem Strom ca. 2 Tage hinkommen. Der Strombedarf ist natürlich immer sehr individuell und dies soll hier nur als Beispiel dienen.

Wie schliesse ich Landstrom an?

Die 2 Tage sind also rum, wir fahren mit unserem Wohnmobil auf den nächsten Campingplatz und müssen an den Landstrom. Oder? Nicht unbedingt! Während der Fahrt wird die Aufbaubatterie nämlich wieder durch die Lichtmaschine das Motors geladen. Der Ladestrom hängt hierbei von der Lichtmaschine ab und wieviel Strom während der Fahrt verbraucht wird. Sagen wir mal, es bleiben 10 A Ladestrom über, könnte die Batterie bei einer Leistung von 120 W / Stunde in vier Stunden wieder voll geladen sein. Soweit die Theorie.

Ist die Batterie aber nicht voll und ich möchte mal länger an einem Standort bleiben, benötige ich Landstrom. Das ist natürlich kein besonderer Strom, sondern einfach nur Strom der aus einer Steckdose an Land kommt.

Der Vorteil von Landstrom ist, dass nicht nur die Batterie geladen wird, sondern jetzt auch die Steckdosen im Fahrzeug funktionieren.

Strom im Wohnmobil
Die CEE Steckdose für den Landstrom

Bei einigen Wohnmobil ist es auch so, dass nicht nur die Aufbaubatterie, sondern auch die Starterbatterie geladen wird. Das kann in der einen oder anderen Situation ganz praktisch sein.

Für die Verbindung von der Steckdose an Land zum Wohnmobil wird ein spezielles Kabel benötigt. Es muss eine Gummischlauchleitung vom Typ HO7RN-F 3G mit mindestens 2.5 qmm Querschnitt und einer maximalen Länge von 25 m sein. Alles andere ist nicht zulässig. Auch ist es nicht zulässig die Leitung weiter zu verlängern. Dabei ist es egal ob man eine Kabeltrommel oder ein langes Kabel verwendet.

Achtet darauf, dass nicht alle Steckdosen in Europa gleich sind. In der Schweiz wird zum Beispiel ein Schuko Stecker und ein Adapter benötigt. Siehe auch Camping Anfänger – Unsere Packliste.

Verwendet man eine Kabeltrommel, benötigt man noch ein Kabel von der Trommel zum Wohnmobil (dies gilt nicht als Verlängerung sondern als Verbindung und ist somit zulässig). Es ist auf der einen Seite abgewinkelt damit es nicht soweit von der Wand absteht. Achtet darauf, dass sämtliche Kabel auch für den Außeneinsatz geeignet sind. Durch die CEE Stecker ist die Verbindung verpolungssicher (heißt man kann es nicht falsch herum anschließen).

Außenanschluss CEE Steckdose
Offener Stromanschluss am Wohnmobil

Sind alle Kabel richtig angeschlossen, kann der Urlaub losgehen. Bitte beachtet aber, dass bei hohen Strömen auch mehr Wärme am Kabel entsteht. Es wird daher empfohlen Kabeltrommeln immer ganz abzurollen. Hier ist von der Firma Brennenstuhl ein interessanter Beitrag dazu.

Der EBL – Die Schaltzentrale

Damit im Wohnmobil alles ordnungsgemäß funktionieren kann, wird ein Elektroblock im Wohnmobil benötigt. Das EBL ist die zentrale Einheit und nicht nur Stromverteiler, sondern auch Ladegerät für die Aufbau-und Starterbatterie und auch der Sicherungskasten für das 12 V Boardnetz.

Camping Anfänger - Strom im Wohnmobil
Schaudt Elektroblock

Sollte im Wohnmobil irgendwas elektrisches mal nicht funktionieren ist das EBL einer der ersten Anlaufstellen für die Fehlersuche. Hier ist z.B. die Trittstufe, die Wasserpumpe oder die Außenbeleuchtung abgesichert.

Bei den meisten Wohnmobilen ist ein EBL der Firma Schaudt verbaut.

Brauche ich Solar auf dem Dach?

Solar ist eine tolle Sache – nicht nur auf dem Wohnmobil. Ob man es wirklich braucht ist immer eine Frage der eigenen Vorlieben. Steuert man eher nur Campingplatz an oder schätzt man die Ruhe und Einsamkeit beim Freistehen?

Solar Wohnmobil
Hilde hatte schon beim Kauf Solarzellen auf dem Dach

Auf vielen Campingplätzen ist auch ein Stromanschluss vorhanden, oft kostet dieser aber extra. Sollte aber der Kühlschrank auf Strom laufen und man sich öfter die Haare föhnen, wird die verfügbare Kapazität sehr schnell knapp. Die Batterie hat ja im Idealfall nur 12 Stunden Sonnenenergie um wieder geladen zu werden. Verbraucht man mehr als das Solarpanel liefern kann, wird die Kapazität des Akkus Tag für Tag kleiner und irgendwann ist es dunkel 🙂

Zu der Abhängigkeit von Sonnenlicht kommt auch noch die richtige Ausrichtung des Panels und der Stellplatz vom Wohnmobil. Auf einem beschatteten Platz kommt natürlich wieder weniger Licht an als in der prallen Sonne. Außerdem werden die Panels immer flach auf das Dach des Wohnmobil montiert und somit wird das Panel nur zur Mittagszeit von der Sonne ideal angestrahlt.

Um möglichst viel Strom zu erzeugen kann man auch mehrere Panels auf dem Dach verbauen. Je nach Platz auf dem Wohnmobildach kommt dann schon eine ordentliche Leistung aus den schwarzen Platten.

Alternativ könnte man über ein faltbares Solarpanel nachdenken. Dieses lässt sich sehr flexibel dem jeweiligen Standort anpassen. Somit findet man bestimmt auch im Wald noch ein paar Sonnenstrahlen.

Fazit

Wir hoffen wir konnten beim Thema Strom im Wohnmobil etwas Licht ins Dunkle bringen 😀 Es ist keine ganz so leichte Kost, aber wenn man sich etwas damit beschäftigt, blickt man irgendwann durch.
Auch wir mussten damals erstmal alles ganz genau erforschen, da leider beim (gebrauchtes Wohnmobil kaufen) Kauf von Hilde keiner dabei war, der uns die Dinge einfach erklären konnte.

Wenn ihr noch Anmerkungen, Kritik oder Fragen habt, meldet euch gerne in den Kommentaren, per Email oder in den Social Media Kanälen.

Eure Viercamper 🤙

Folgt uns gern auch auf Instagram oder Facebook und abonniert unseren Newsletter 🙂

* (Bei den verlinkten Artikeln handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Wenn ihr über diese Links etwas kauft, erhalten wir eine kleine Provision und ihr könnt uns ein wenig unterstützen. Für euch verändert sich am Preis nichts. Bei Fragen schickt uns sehr gern eine Mail!)

2 Kommentare

  1. Freddi

    Wir wollten im nächsten Jahr das erste Mal richtig Campen, lieben Dank;)

    • Pascal

      Freut uns sehr, dass es euch eine kleine Hilfe ist. VG

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

© 2022 viercampen

Theme von Anders NorénHoch ↑

Blogverzeichnis Bloggerei.de Follow my blog with Bloglovin
RSS
Pinterest
Pinterest
fb-share-icon
Instagram
WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner