Wohnmobil abdichten und Wasserschaden reparieren – Anleitung zum selber machen

Wie einige von Euch vielleicht wissen, hatte unsere Hilde einen versteckten Wasserschaden. Da wir immer wieder von so vielen Leuten hören und lesen, dass sie auch betroffen sind oder waren, möchten wir hier noch mal genauer auf das Thema “Wohnmobil abdichten” eingehen.

Unabhängig davon, ob man schon einen Wasserschaden hat oder nicht, sollte man ältere Wohnmobile generell irgendwann neu abdichten, damit es gar nicht erst dazu kommt. Doch wie geht man da am besten vor? Was kostet das Unterfangen und kann man es wirklich so einfach selber machen?

Jeder tropfen muss raus aus Hilde :)
Hier sammelt sich gerne Wasser

Natürlich ist selber machen erheblich günstiger, als z.B. den Wasserschaden im Alkoven in einer Werkstatt reparieren zu lassen. Bei älteren gebrauchten Wohnmobilen endet der Werkstattbesuch oft auch in einem wirtschaftlichen Totalschaden. In unserem Fall hatten wir gerade unser sauer erspartes Geld für den Kauf ausgegeben, eine Reparatur in der Werkstatt wäre unmöglich zu finanzieren gewesen. Von daher blieb uns nur eins, ran ans Wohnmobil. Und das war eine gute Entscheidung.
Ja, es ist eine Sauarbeit, vor allem wenn man wie wir unter Zeitdruck und im Freien arbeiten muss. Aber es lohnt sich und ist machbar.

Wir haben das ganze bei unserem Beitrag Wasserschaden im Alkoven schon einmal grob angeschnitten, möchten Euch aber an dieser Stelle eine genauere Anleitung an die Hand geben wie WIR vorgegangen sind (natürlich nur nach bestem Wissen und Gewissen erstellt und wie immer ohne Gewähr…) und unser bescheidenes Wissen mit euch teilen 😉

Die richtigen Materialien

Bevor es losgehen kann, müsst ihr euch erst einmal das richtige Material und Werkzeug für den Job besorgen. Hier eine Auflistung, was wir benutzt haben (natürlich geht es auch mit Produkten anderer Hersteller, damit haben wir allerdings keine Erfahrung):

Schrauben

Bei den Schrauben scheiden sich die Geister. Das Wichtigste vorweg: Wenn ihr die alten Bohrlöcher nochmals nutzen wollt um nicht noch mehr Schweizer Käse zu verursachen, wählt etwas längere Schrauben als die alten. Es wäre schade, wenn die neuen Schrauben nicht richtig halten.

Damit kommt man zur nächsten Frage, Edelstahl oder verzinkte Schrauben? Nimmt man wieder verzinkte Schrauben hat man den Vorteil, dass man eventuellen Rost und somit die vermeintliche Undichtigkeit leichter erkennen kann. Der Nachteil ist eben, dass sie rosten.

Bei Edelstahlschrauben wird man keinen Rost mehr finden. Allerdings vertragen sich Metalle die unterschiedlich edel sind nicht miteinander und es kann durch die Aluleiste Kontaktkorrosion entstehen. An unserer Hilde habe ich jede Schraube am Schraubenkopf mit Dichtmittel umwickelt und somit hoffentlich die Chance der Kontaktkorrosion gemindert.

Jede Schraube hat also Vor- und Nachteile. Zudem habe ich Schrauben gewählt, die eine Bohrspitze haben. Dadurch konnte ich durch das Aluprofil schrauben und so neue zusätzliche Verschraubungen anbringen.

Bei Schrauben kann ich übrigens den Online Shop Reinartz Kleinteileversand ** empfehlen. Hier findet man eine sehr große Auswahl an Schrauben.

Kleber

Als Kleber kann ich Dekaseal MS 5 empfehlen. Der Kleber ist relativ zäh und somit gut zu verarbeiten. Damit habe ich neues Holz, alte Löcher verschlossen und neue Dämmung eingeklebt.

Dichtmittel

Auch hier habe ich ein Produkt der Firma Dekalin eingesetzt. Dekaseal 8936 eine UV-beständige, nicht aushärtende Dichtmasse auf Polyisobuten-Basis. Der Vorteil ist, dass man überflüssiges Material einfach abtupfen kann.

Werkzeug

An Werkzeug braucht man schon etwas Ausstattung. Wenn man öfter und gerne mit Holz arbeitet, lohnen sich auch Qualitätswerkzeuge.

Holzplatten / Wandverkleidung

Muss man größere Flächen neu machen, empfehlen sich Multiplexplatten oder Siebdruckplatten. Für diverse Verlattugen im Innenbereich kann man einfache Holzlatten verwenden. Die Innenwände kann man anschliessend mit dünnem Papelsperrholz verkleiden. Da muss man einfach individuell schauen welche Stärke benötigt wird. Es gibt auch im Campingbedarf Verkleidungsplatten für die Wände, wir hatten eh vor die Wände zu streichen und haben uns deshalb für Holz entschieden.

Dämmung

Das Wohnmobil ist meistens mit Styropor gedämmt. Das gammelige Styropor muss natürlich raus und ersetzt werden, neues könnt ihr einfach im Baumarkt nachkaufen. Man kann aber auch Styrodurplatten oder ähnliches verwenden.

Dämmung Wasserschaden
Dämmung

Wasserschaden reparieren

Wasserschaden finden

Falls ihr den Verdacht habt, der Fall der Fälle könnte schon eingetreten sein, solltet ihr euch auf die Suche machen. Einen Wasserschaden zu finden ist das Schwierigste. Meist sieht man das Chaos ja erst, wenn es schon zu spät ist.
Es gibt einige Messgeräte mit denen man verdächtige Stellen auf Feuchtigkeit überprüfen kann. Solche Stellen sind Fensterränder, Übergänge von Platten, Verschraubungen, Kanten, alle Ecken im Alkoven usw. Über die Anschaffung von so einem Messgerät denken wir aktuell auch nach. Das funktioniert natürlich nur, wenn die Stellen zu dem Zeitpunkt auch feucht sind. Unser Wohnmobil stand beim Kauf und auch einige Monate vorher überdacht, das gammelige Holz war beim Öffnen total trocken. Da hilft natürlich auch kein Feuchtigkeitsmessgerät…

Wasserschaden im Wohnmobil freilegen

Wenn ihr eine Stelle gefunden habt, öffnet ihr sie erstmal. Wenn ihr den Schaden eingrenzen könnt, geht es ans entfernen. Es ist wichtig solange feuchtes (bzw. vergammeltes) Material zu entfernen, bis wieder trockenes (unversehrtes) Material zu finden ist. Ruhig großzügig freilegen. Das geht ganz gut mit einem Stechbeitel. Aber seid damit vorsichtig, die dünne Außenhaut geht schnell kaputt!

Ausbesserung innen

Ist der erste Teil erledigt werden geht es ans neu machen. Dazu werden die offenen Stellen grob ausgemessen, Holzstücke und Styropor zugeschnitten und eingeklebt und das ganze wird mit den Holzplatten wieder geschlossen. Das Holz wird ebenfalls mit Dekaseal direkt auf das Trägermaterial geklebt. Das hält erstaunlich gut. Die entstandenen Lücken können mit einem Holzspachtel gefüllt werden. Hier sollte möglichst sorgfältig gearbeitet werden, da man die Übergänge nach dem streichen noch sehen kann.

Wohnmobil abdichten

Alte Dichtungen entfernen

Auch hier gilt wieder, zuerst muss das ganze alte Zeug runter.
Unser Hilde von Euramobil auf Fiat Ducato Basis hat einen Winteraufbau. Somit ist unser Dach doppelt abgekantet. Es geht also zweimal ums Eck. Um das Dach herum sind dicke Aluprofile und darunter befindet sich noch ein Alueckprofil. Das weiße Aluprofil wurde vom Hersteller ebenfalls verklebt und somit war es für mich sehr schwierig zu entfernen.

Die alte verbaute Gummilippe war total porös, viele Schrauben total verrostet. Teilweise sind die Schrauben dann abgebrochen und ich musste sie ausbohren. Die ganze Prozedur musste an beiden Seiten gemacht werden.

Ist das ganze Alu und die alte Gummidichtung dann runter, geht es an die alte Dichtmasse, denn auch die muss entfernt werden. Zuerst kann dabei vorsichtig mit einem Spachtel die Masse entfernt werde. Anschließend wurde alles mit einem Reiniger entfernt, solange bis alles wieder schön sauber war. Auch die alten Aluprofile mussten wieder schön blank geputzt werden. Eine Sauarbeit!

Der Akt der Abdichtung

Durch das Alter von Hilde war es schwierig eine neue Gummidichtung zu bekommen. Wir haben zwar ähnliche gefunden, die waren dann aber zu schmal. Die alte Dichtung wieder zu verwenden machen auch viele, das war uns aber zu riskant. Auf der Suche nach einer Lösung sind wir auf Butylband gestoßen. Wir haben also einmal rundherum 25 m Butylband mit einer Breite von 100 mm (und 3 mm Dicke) verklebt. Durch die Breite konnte das Butylband um beide Kanten gelegt werden und ersetzt so die alte Dichtung.

Auf das Butylband habe ich dann wieder das Aluprofil mit neuen Edelstahlschrauben verschraubt. Dabei wurde jede Schraube mit einem kleinen Stück Dekaseal umwickelt, damit auch wirklich alles dicht ist.

Wasserschaden Wohnmobil neu abdichten
Neues Butylband

Der nächste Schritt war dann das weiße Aluprofil. Dies wieder anzubringen war eine Tortur. Durch das klebende Butylband hatte ich keine Korrekturmöglichkeit. Liegt die Schiene einmal auf, klebt das Zeug wie Hölle. Das war aber nur bei unserem speziellen Modell so, die meisten von euch werden dieses Problem nicht haben, da ihr vermutlich nur die Aluschiene habt.

Sollten sich irgendwo doch noch Spalte ergeben, können diese auch prima mit Dekaseal aufgefüllt werden. Sieht nicht schön aus, hilft aber.

Zudem habe ich noch alles was ans Wohnmobil geschraubt war demontiert und ebenfalls abgedichtet. Die Schrauben der Blinker, Fahrradträger, Rücklichter und Co. wurden auch mit Dekaseal versehen und wieder montiert.

Die Kederleiste unten an den Seiten wurde ebenfalls demontiert und neu abgedichtet, zudem kam dort neues Kederband rein.

Fazit

Das Butylband ist bei uns leider trotz des darüberliegenden Aluprofils noch zu sehen, wir hatten leider aufgrund der Wetterverhältnisse auch nicht die Zeit, das ganze schön und in Ruhe zu machen. Aber das ist uns egal, denn das Wichtigste, Hilde ist dicht. Wir standen mittlerweile schon öfter im Starkregen, es geht nichts mehr durch. Und das ist für uns die Hauptsache.

Und das Ganze hatte auch was Gutes, da eh alles demontiert und eingesaut war, haben wir direkt renoviert und fahren nun mit einem guten Gefühl und einer schicken Hilde durch die Welt <3

Wohnmobil Euramobil
Sieht doch wieder gemütlich aus

Viele Grüße

Eure Viercamper ✌️

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** unbezahlte unbeauftrage Werbung aus Überzeugung

2 Kommentare

  1. Mathias

    Danke für die vielen Infos! Jetzt weiß ich wo ich ansetzen muss….

    • Tina

      Hallo Mathias,

      sehr gerne! Viel Erfolg und bei Fragen meld dich gern bei uns 🙂
      Liebe Grüße
      Tina

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