Wer ein 3.5 t Wohnmobil sein Eigen nennt und das erste Mal für den Urlaub packt, kommt nicht um das Thema herum, die Zuladung. Schnell kommt man Gewichtstechnisch an seine Grenzen und wenn das Leergewicht an sich schon recht hoch ist, braucht man einen Plan B. Auflastung ist eine Option. Aber wie funktioniert das überhaupt und was muss man beachten? Gibt es Alternativen?


Hier kommen unsere Erfahrungen zum Thema Auflastung am Wohnmobil.


Die bittere Erkenntnis, wir sind zu schwer.

Nach dem Kauf von Hilde packten wir nur wenige Tage später voller Vorfreude alles für den ersten Urlaub. Klar haben wir beim Packen aufs Gewicht geachtet (und auch beim Einkauf der Erstausstattung), aber hey, wir haben doch genug Zuladung bei einem Leergewicht von 3080 kg, damit werden wir ja wohl hinkommen. Dachten wir. Bis wir kurz vor der Abfahrt auf der Waage standen.

Bepackt mit Gepäck für 4 Personen, Lebensmittel für ca. 4 Tage, Tisch & Stühle, etwas Spielzeug und dem normalen Campingzubehör kamen wir auf satte 3470 kg! Und das ohne einen tropfen Frischwasser im Tank, Fahrräder oder sonstige Luxusgüter. Also war schnell klar, für die nächste Reise müssen wir umdisponieren.

Aber fangen wir mal von Vorne an, mit dem Leergewicht.

Auflastung am Wohnmobil
Wenn die Waage zu viel anzeigt…

Was beinhaltet überhaupt das eingetragene Leergewicht?

Das Leergewicht definiert sich bei einem Wohnmobil wie folgt:

  • Reines Fahrzeuggewicht ohne Anbauten wie Markise, Solar oder SAT Schüssel
  • Fahrer von 75 kg
  • Fahrbereit mit allen nötigen Flüssigkeiten im Motor (Öl, Kühlwasser)
  • 100 % gefüllter (Diesel)tank
  • Boardwerkzeug, Warndreieck*, Verbandskasten*
  • Benötigtes Zubehör für Landstrom (Kabel mit CE Stecker*)
  • -ENDE-

Jo, das ist nicht viel.

Wenn ihr euch für ein Wohnmobil entschieden habt, das ein zulässiges Gesamtgewicht (Punkt F.1 im Fahrzeugschein) von z.B. 3500 kg hat und ein Leergewicht von 3100 kg besitzt, dann sieht das erstmal gut aus.
Möchte man (oder hat der Vorbesitzer) allerdings einige Extras installieren wie eine Markise, eine Solaranlage, eine zweite Aufbaubatterie und so weiter, wird es sehr schnell knapp mit der Gewichtsgrenze. Solche Extras werden nicht in den Fahrzeugschein eingetragen und sind somit auch nicht beim Leergewicht berücksichtig. Daher ganz wichtig, fahrt vorab einmal zum Wiegen damit ihr euer tatsächliches Leergewicht kennt. Am besten sogar vor dem Kauf. So könnt ihr böse Überraschungen vermeiden.


Aber was tut man denn jetzt, wenn die noch vorhandene Zuladung nicht für die eigenen Bedürfnisse ausreicht?

Viele Camper gehen einfach auf Risiko und fahren überladen.
Das ist aus drei Gründen eine ganz dumme Idee.
Zum einen drohen euch ordentliche Bussgelder, wenn euch jemand erwischt.
Ein weiterer, viel wichtigerer Punkt, ihr gefährdet euch und andere Menschen, wenn das Fahrzeug, die Bremsen, das alles für das Gewicht einfach nicht ausgelegt ist.
Zudem geht der Versicherungsschutz flöten und im Fall der Fälle kann das äußerst unschön werden.
Fassen wir zusammen, das ist keine Option und grob fahrlässig.

Da wir ja verantwortungsbewusste Camper sind, schauen wir mal auf die wirklichen Optionen, beginnend mit der Auflastung.

Welche Möglichkeiten zur Auflastung gibt es?


Um die Zuladung zu erhöhen gibt es spezielle Fahrwerksteile.
Es können Luftfederungen komplett als Fahrwerk oder zusätzlich verbaut werden.
Das Auswechseln der Stoßdämpfer ist möglich, ebenso wie die Erhöhung der Traglast der Felge und des Reifens.

Mit dem Einbau einer Luftfederung gewinnt ihr auch deutlich an Komfort. Das Ausrichten mit Auffahrkeilen entfällt, man kann die Luftbalgen paarweise steuern und so die Höhe gemütlich anpassen.

Die Auffahrt auf eine Rampe (Schiff oder ähnliches) kann bei einem vollgeladenen Wohnmobil manchmal kritisch sein, da man Gefahr läuft, aufzusetzen. Mit einer Luftfederung kann man das Wohnmobil höher legen und die Auffahrt aufs Schiff klappt problemlos.


Geht es nur um ein paar (hundert) Kilo, reicht manchmal (wenn möglich) auch eine simple Unbedenklichkeitsbescheinigung des Herstellers aus um kleinere Auflastungen ohne technische Änderungen durchführen zu können, was natürlich am kostengünstigsten ist. Mit dem Schreiben des Herstellers muss man dann lediglich zum TÜV und die neuen Werte in die Fahrzeugpapiere eintragen lassen, das war’s.

Was genau für euch in Frage kommt, hängt vom Wohnmobil und eurem Budget ab und ist sehr individuell. Die Frage ist auch, wie viel Kilo “mehr” ihr benötigt.

Kann man jedes Wohnmobil auflasten?

Leider nein! Wir haben für unser Wohnmobil viele Anbieter von Luftfahrwerken, den Hersteller unserer Hinterachse, den Wohnmobilhersteller und Fiat selber angeschrieben. Uns konnte leider niemand helfen. Das bei uns verbaute Light Chassis mit einer Al-Ko Hinterachse mit Drehstabfederung kann nur bis maximal 3500 kg ausgebaut werden. Dann ist Ende im Gelände. Also ist in unserem Fall eine Auflastung komplett ausgeschlossen.

Mein Womo kann aufgelastet werden, was muss ich beachten?

Zuerst solltet ihr natürlich nachschauen, ob ihr mit eurer Führerscheinklasse überhaupt schwerere Fahrzeuge fahren dürft. Der Klasse B Führerschein erlaubt nur Fahrzeuge mit bis zu 3500 kg. Für schwerere Fahrzeuge (bis 7,5 t) benötigt man die Klasse C1.
Ausnahme: Ihr habt noch den alten Führerschein, der vor 1999 gemacht wurde. Über die aktuellen rechtlichen Bestimmungen könnt ihr euch am besten beim ADAC informieren.

Woran ihr aber auch denken solltet, bei einer Auflastung über 3,5 t ändern sich auch die maximalen Geschwindigkeiten und die TÜV Besuche in Deutschland.
Muss man bis 3.5 t nur alle 2 Jahre zum TÜV, darf man bei mehr Gewicht ab dem 7. Jahr der Erstzulassung jährlich vorstellig werden.
Die Geschwindigkeit muss auf der Autobahn auf 100 km/h und auf der Landstraße mit maximal 80 km/h angepasst werden. Außerdem sind Überholverbote für Fahrzeuge über 3.5 t zu beachten.

In Ländern mit Autobahnmaut wird das Portemonnaie auch mehr belastet, denn hier wird es bei Fahrzeugen über 3,5 t teurer.

Wo kann ich mein Wohnmobil auflasten lassen?

Es gibt mittlerweile einige Hersteller von Luftfahrwerken und anderen Fahrwerksteilen. Der Mercedes unter den Luftdämpfern soll wohl die Firma Goldschmitt** sein.
Ich denke aber, dass mittlerweile auch andere Firmen qualitativ hochwertige Fahrwerke mit geringeren Kosten herstellen. Zum Beispiel die Firma Carsten Stäbler**, die sich viel Mühe gegeben hat, uns zu helfen und zu beraten.

Weitere Firmen:

Was sind die Alternativen zur Auflastung?

Wer wie wir nicht Auflasten kann, darf oder einfach nicht möchte, dem hilft nur eins, Gewicht einsparen.
Selbst wenn ihr noch knapp mit den Kilos hinkommt, sollte man vor allem als Familie einen Plan B haben.
Die Kinder werden ja bekanntlich größer und somit schwerer. Aus 2 Fahrrädern werden 4, man möchte auch mal Freistehen und duschen, braucht also einen vollen Wassertank.
Also ist Abspecken angesagt.

Fangt an euch zu überlegen, auf was ihr genau verzichten könnt. Hier zählt die Devise, Kleinvieh macht auch Mist. Das ein oder andere Kilo mehr oder weniger wirkt für den Moment nicht viel, summiert sich aber gewaltig.
Schaut durch die Schränke, ob unnötiger Ballast rumliegt. Ist in der Küche alles schön leicht?

Habt ihr Bücher in den Schränken, lohnt sich vielleicht ein Ebook Reader. Bedienungsanleitungen (wir hatten gefühlt 5 kg davon im Wohnmobil) gibt es ebenfalls digital.

Unsere Kinder möchten am liebsten ALLES an Spielzeug mitnehmen. Daher haben wir ihnen eine Spielzeugkiste zum Packen gegeben mit einem Deal. Was dort reinpasst, darf mit. Das klappt erstaunlich gut und wenn man ehrlich ist, ist das schönste “Spielzeug” eh draussen, der Strand, der Bach, der Wald um die Ecke oder der coole Spielplatz auf dem Campingplatz.

Gibt es fest installierte Dinge, die ihr nicht wirklich braucht? Bei uns darf bald zum Bespiel die Anhängerkupplung gehen, die schwer und für uns total unnütz ist.


Wiegt die Sachen die rausfliegen am besten grob nach und notiert es euch, damit ihr den Überblick nicht verliert.

Fazit

Auflastung am Wohnmobil ist – wenn möglich – eine feine Sache, aber auch mit Mehrkosten und Einschränkungen verbunden. Daher solltet ihr für euch abwägen, ob sich dieser Schritt wirklich lohnt. Geht es nur um 100, vielleicht 200 Kilo, lohnt es sich erstmal zu schauen, wo man Gewicht einsparen kann.

Wer durch eine Luftfederung nicht auflasten kann ist trotzdem mit einem Umbau gut bedient, denn der Mehrkomfort steigt erheblich.

Macht euch am besten schon vor dem Kauf eines neuen Wohnmobils Gedanken um das zulässige Gesamtgewicht und fahrt möglichst auf eine Waage. Erst dann kann man wirklich abschätzen was noch an Zuladung drin ist.

Um es ganz genau zu wissen, müsste man auch jede Achse einmal einzeln messen, denn auch die Werte im Fahrzeugschein unter Punkt 7.1 und 7.2 dürfen nicht überschritten werden. So prüft übrigens auch die Polizei und es gibt auch Strafen, selbst wenn ihr euer zulässiges Gesamtgewicht nicht überschreitet.
Daher ganz wichtig, achtet auf eine ausgewogene Gewichtsverteilung.

Happy packing!

Eure Viercamper

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